Über uns - Weidig Juwelier & Uhrmachermeister


Juwelier & Uhrmachermeister
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Sa. 9:00 - 13:00 Uhr
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Von Carsten Woitas
NIDDA - "Geduld, Ausdauer, Fingerfertigkeit und absolute Konzentration." Es ist einiges, was von einem guten Uhrmacher verlangt wird. Und derjenige, der diese Kriterien nennt, muss es schließlich wissen - Erich Weidig. Seit mittlerweile 45 Jahren ist er bereits Uhrmachermeister, doch schon lange Zeit davor wurde seine Begeisterung für Zeiger, Ziffernblätter, Pendel und Zahnräder geweckt.
Bereits in seiner Kindheit faszinierte ihn die Feinmechanik, die in Weckern, Armbanduhren und den Uhrwerken von Stand- und Wanduhren schlummert. Kein Wunder, betrieben seine Eltern doch das Geschäft, das Weidig heute noch führt. Und diese Begeisterung konnte der Uhrmachermeister auch an die nächste Generation weitergeben. Denn auch Tochter Stefanie Altvatter-Weidig arbeitet im Geschäft mit als ausgebildete Fachkraft für Uhren und Schmuck, die ihre Ausbildung im heimischen Betrieb absolvierte. "Es hat mir damals schon Spaß gemacht, die Mechanik zu ergründen, durch die die Uhren funktionieren. Später durfte ich mich bei meinem Vater sogar selbst an der Mechanik großer Wecker versuchen", schildert Weidig seine ersten Schritte auf dem Weg zu seinem späteren Traumberuf. Doch bis dahin dauerte es noch eine Weile. Denn bevor man tatsächlich an Uhrwerke darf, muss man zunächst eine dreijährige Ausbildung durchlaufen, bei Weidig betrug die Ausbildungszeit damals sogar dreieinhalb Jahre. "Bevor man zum ersten Mal ein Uhrwerk bearbeiten darf, gilt es, erst einmal viele andere Fähigkeiten zu erlernen, beispielsweise das Feilen, Drehen und Polieren von Metall. Erst wenn man das beherrscht, folgt der nächste Schritt. Im ersten Jahr der Ausbildung bekommt man noch kein Uhrwerk in die Hand", beschreibt Erich Weidig den Ausbildungsablauf. Selbst wenn man diese drei Jahre hinter sich habe, könne man zunächst nur unter Aufsicht an dieser Miniaturmechanik arbeiten. Alles Weitere müsse die Erfahrung bringen, bis man möglicherweise irgendwann auch seinen Meister mache.
Verwunderlich ist das nicht, betrachtet man sich die Arbeit eines Uhrmachers. Der Kabarettist Jochen Malmsheimer beschrieb einmal launig, wie er für seinen Sohn einen Modellbahnhof zusammenbauen wollte und beschwerte sich in köstlicher Weise, dass manche Teile überhaupt nur unter dem Mikroskop erkennbar seien. Womit Malmsheimer für Lacher sorgte, ist für Erich Weidig Arbeitsalltag - und das wortwörtlich. Denn in der Tat gibt es bei verschiedenen Armbanduhren Einzelteile, die sind so klein, dass man ihre Funktionsprüfung und ihren Aus- beziehungsweise Einbau nur per Mikroskop bewältigen kann. Geduld, Ausdauer, Fingerfertigkeit und absolute Konzentration - hier kommen genau diese Fähigkeiten zum Tragen, die nach Weidigs Aussage einen guten Uhrmacher ausmachen. Die braucht man auch, wenn man mit Einzelteilen umzugehen hat, deren Größe sich in Millimetern misst, wenn überhaupt. Und was tut man, wenn einem einmal die ruhige Hand fehlt? "Dann muss man alles beiseite räumen und zunächst eine Stunde etwas anderes machen. Nach einer durchzechten Nacht mit dickem Kopf kann man sich nicht an eine solche Arbeit setzen", sagt Weidig mit einem Schmunzeln. Aber auch ohne eine solche "Vorgeschichte" gebe es oft genug Situationen, in denen einem die nötige Ruhe für diese Art Arbeit fehlt. Dann müsse man sie eben eine Weile beiseitestellen. "Und meist ist es danach so, dass ich einen Fehler, den ich zuvor vergeblich gesucht habe, auf Anhieb finde", sagt der Uhrmachermeister.
Was passiert eigentlich, wenn einem bei dieser Arbeit einmal eines dieser Teile herunterfällt? "Auch das kommt natürlich vor", erklärt Weidig und beschreibt "den Uhrmacher unter dem Arbeitstisch". Dann komme der Handfeger zum Einsatz und im günstigsten Fall finde man das verlorene Stück gleich wieder. Es habe aber auch schon Momente gegeben, da blieb das Einzelteil trotz intensiver Suche verschwunden. "Häufig taucht es dann aber einige Zeit später doch wieder auf, und es lag meist direkt vor meiner Nase."
Druck aus dem Internet
Und wie sieht so ein Reparaturablauf aus? Zunächst finde eine Fehleranalyse statt, erklärt Weidig. Das sei bei elektrisch wie bei mechanisch betriebenen Uhrwerken gleich. Wenn eine leere Batterie nicht die Ursache sei, müsste auch bei elektrischen Uhrwerken der mechanische Teil auf Fehler untersucht werden. Das bedeutet, die Uhr Stück für Stück auseinanderzunehmen. Da können dann schon einmal bis zu 200 Klein- und Kleinstteile zusammenkommen, die einzeln auseinandergebaut, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden müssen. Bei einer durchschnittlichen Uhr kann allein das Auseinanderbauen bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen. Dass dies dann natürlich seinen Preis hat, versteht sich von selbst, ist für manche Kunden aber nur schwer nachvollziehbar. "Viele denken, da muss man doch nur die Batterie tauschen und schon läuft sie wieder. Aber so einfach ist es oft nicht", betont der Handwerksmeister. Es klingt fast schon ein wenig resignativ, wenn er feststellt, dass die Menschen heute immer häufiger nur nach der preiswertesten Alternative suchen. Auch wenn das bedeutet, dass so manches gekaufte Produkt wegen minderwertiger Qualität bereits nach kurzer Zeit den Geist aufgibt und weggeworfen werden muss. Dann wird eben etwas Neues gekauft. "Viele machen sich weder Gedanken darüber, wie ein solch günstiger Preis zustande kommt, noch überlegen sie, was das Wegwerfen für die Umwelt bedeutet. Natürlich kann man einiges recyceln, aber eben nicht alles. Und ob es tatsächlich preiswerter ist, alle zwei Jahre beispielsweise eine neue Uhr für 50 Euro zu kaufen, anstelle eines hochwertigeren und langlebigeren Modells für etwa 200 Euro ist dahingestellt", so Weidig. Dass dieses Verhalten viele kleinere Betriebe zudem an den Rand der Existenzgrundlage bringt, verschweigt er dabei nicht. Betriebe wie seiner rechneten mit einer Mischkalkulation aus Erlösen durch Verkauf und durch Reparatur. Alleine durch Service lasse sich ein Geschäft wie seines auf Dauer nicht betreiben, man sei natürlich auf Verkauf angewiesen. Und hier sei das Internet eine große Konkurrenz. Vielleicht auch ein Grund, weshalb er die Zukunftsaussichten für Geschäfte wie seines eher skeptisch beurteilt. Das zeige sich auch in den Zahlen zur Ausbildung. Sie gingen immer weiter zurück und damit auch die Ausbildungsmöglichkeiten. Die nächste Fachschule des Uhrmacherhandwerks befinde sich mittlerweile in Würzburg. Ob das ein solches Problem sei, könnte man nun fragen? Schließlich werde vielfach auch im Internet ein Reparaturservice angeboten. Allerdings weiß man bei Reparatur-Retouren im Internet in der Regel nicht, wer diese ausführt und was er für eine Qualifikation besitzt, antwortet Erich Weidig. "Bei mir geht alles durch eine Hand. Da ist klar, wer die Verantwortung trägt und welche Qualifikation er besitzt." Er selbst hat nach seiner Meisterprüfung im Jahr 1972 zunächst bei IWC Schaffhausen gearbeitet. Das steht für International Watch Company und ist wie Patek Philippe, Omega oder Rolex eine der führenden Schweizer Uhren-Manufakturen, die auch im Luxussegment stark vertreten sei. Sein Grund für den Wechsel in die Schweiz: Wissen weitergeben, aber vor allem auch neue Erfahrungen sammeln und neues Wissen aufnehmen. Erfolg habe man vor allem, wenn man sich ständig weiterentwickele. Und dafür sei die Schweiz ein "gutes Pflaster". Denn, das betont Weidig, die Schweizer Hersteller seien weiterhin der Gradmesser, wenn es um Präzisionsuhren geht.
Und seine Arbeit ist sehr gefragt. Aus ganz Deutschland erreichen ihn Reparaturanfragen und er ist auch im ganzen Bundesgebiet unterwegs zu Kunden. Das spiegelt sich auch in den Bearbeitungszeiten wider, wie Weidig und seine Tochter Stefanie erklären. Auf Armbanduhren kann man da schon einmal vier bis zwölf Wochen warten, bevor sie bearbeitet sind - je nach Aufwand der Fehlerbehebung. Bei Wand- oder Standuhren könne es sogar bis zu einem halben Jahr dauern. Manchmal seien Ersatzteile über den Hersteller nicht mehr zu beziehen. Auch dort habe man sich dem Trend angepasst, kaum oder keine lange Lagerhaltung mehr zu führen. Dann müsse er im Internet bei spezialisierten Verkäufern nach Ersatzteilen suchen, was manchmal auch vergeblich sei. "In einem solchen Fall lässt sich eine Uhr dann leider nicht mehr reparieren", so Weidig. Denn für Armbanduhren sei die eigene Herstellung von Ersatzteilen meist viel zu aufwendig.
Kann er sich eigentlich noch an seinen ungewöhnlichsten Auftrag erinnern? Das kann Weidig und braucht nicht einmal lange dafür. "Zwei Aufträge sind mir da in Erinnerung geblieben. Zum einen ging es um die Reparatur einer Turmuhr in einer Kirche. Schließlich erlebt man es nicht alle Tage, bei der Arbeit im Gebälk eines Kirchturms herumzuklettern. Der zweite besondere Fall war die Reparatur einer alten Schwarzwälder Kuckucksuhr. Das war vor etwa zehn Jahren. Es handelte sich um ein handgeschnitztes Modell mit Tierdarstellungen, bei dem das Schlag- und das Musikwerk zu reparieren waren. Die Uhr konnte zehn verschiedene Melodien spielen. Der Kunde kam damals aus Hünfeld in unser Geschäft."
Schattenseiten
Dass sein Traumberuf aber auch Schattenseiten besitzt, musste Weidig ebenfalls erleben. Uhren - gerade solche von Nobelherstellern - seien teuer. Zudem ist Erich Weidig auch noch Juwelier. Das zieht unweigerlich Menschen an, die sich auf Kosten Anderer bereichern wollen. Mehr als einmal sah er sich mit Kriminalität in ihren verschiedenen Ausformungen konfrontiert. Das Repertoire reichte von Einbruchsversuchen über Trickdiebstähle bis hin zu einem Überfall. Mehr als einmal musste er erleben, dass Kriminelle versuchten, seine Schaufensterscheiben zu zertrümmern, um an die Ausstellungsstücke zu gelangen. Das Glas hielt bislang, aber der Schaden war natürlich da. Schlimmer wird es, wenn man selbst zur Zielscheibe der Verbrecher wird. Auch diese Erfahrung musste Erich Weidig bereits machen. So überfiel ein Räuber einmal sein Geschäft und bedrohte ihn mit einer Schusswaffe. Geistesgegenwärtig löste er den Alarm aus, der Räuber flüchtete ohne Beute und konnte durch aufmerksame Zeugen gefasst werden. Dennoch: Solche Erfahrungen lassen sich nicht leicht abschütteln, sie verfolgen einen über lange Zeit, teilweise bis in den Schlaf hinein. Das sei manchmal schwer zu ertragen. "Es gibt immer wieder Situationen, in denen man sich an diese Ereignisse erinnert fühlt. Nicht selten kommt man morgens zum Geschäft und schaut zuerst einmal, ob nicht wieder irgendwo jemand versucht hat, einzubrechen und etwas zu stehlen", erzählen Weidig und seine Tochter.
Erich Weidig hat vor 45 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt, andere in seinem Alter genießen längst ihren Ruhestand. Gibt es auch einen Zeitpunkt, an dem er ans Aufhören denkt? "Diese Arbeit ist mein Beruf, mein Hobby, meine Leidenschaft", entgegnet der Uhrmachermeister und fügt mit einem Schmunzeln hinzu, während er seinen Zeigefinger in Richtung Himmel richtet: "Wenn der da oben mir die Möglichkeit gibt, dann möchte ich das auch noch solange weitermachen, bis es wirklich nicht mehr geht." Würde es irgendwann einmal nicht mehr für die Arbeit mit den kleinen Armbanduhren reichen, dann würde er sich eben mit den größeren Modellen beschäftigen. Und seine Tochter ergänzt: "Es gibt Uhrmachermeister, die arbeiten in ihren eigenen Geschäften noch in einem Alter von 85 Jahren." In einem solchen Fall hätte Erich Weidig noch einige Zeit vor sich, in der er seiner Leidenschaft nachgehen kann.
Uhren-Schmuck-Trauringe
Eigene Schmuck- & Uhrenwerkstatt
Spezialist für Schweizer Präzisionsuhren
Weidig Juwelier & Uhrmachermeister
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